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Aus der NWZ
SUEDMOSLESFEHN, 18. März 2011


SV Moslesfehn kündigt Budosportlern
Missbrauch Oldenburger Trainer und Manager wegen schwerer sexueller Übergriffe vorbestraft

Der Sportverein hat kein Verständnis für die Haltung der Oldenburger Budosportler. Das Taekwondo-Training wurde sofort eingestellt.

von Werner Fademrecht

Südmoslesfehn - Der SV Moslesfehn (SVM) hat mit sofortiger Wirkung seinen Kooperationsvertrag mit dem Verein für traditionellen Budosport (VTB) Oldenburg aufgelöst. Die Verantwortlichen reagieren damit auf die Tatsache, dass beim VTB ein wegen schwerer sexueller Übergriffe Verurteilter nach Verbüßen seiner Strafe wieder als Budosport-Trainer arbeiten darf.

Das Landgericht Aurich hatte den damals 52-Jährigen im Februar 2006 wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der Mann über vier Jahre hinweg an einer damals 13-jährigen Schülerin vergangen hatte. Die Eltern der heute Volljährigen leben in Südmoslesfehn.

Für den VTB haben seit rund zwei Jahren ausschließlich Trainerinnen Taekwondo in der Sporthalle an der Korsorsstraße angeboten – zuletzt Lehramtsstudentin Kim Wilken, im VTB-Vorstand für Kinder und Jugend zuständig. Die Trainingsgruppe in Südmoslesfehn bestand nach Angaben des 1. Vorsitzenden Engelbert von der Pütten zuletzt nur noch aus einer Handvoll Kindern. „Der VTB findet bei uns aber ab sofort gar nicht mehr statt“, betont von der Pütten. Den Hallenschlüssel habe die Trainerin bereits wieder abgegeben.

In einem Treffen mit Wilken und dem Vorsitzenden des VTB Oldenburg, Alexander Hartmann, hat die Vereinsführung des SVM unterstützt vom Ortsverein Südmoslesfehn ihre Gründe für das Ende des Kooperationsvertrags erläutert. Ortsvereinsvorsitzender Werner Albrecht betont, dass den Vereinen aus seiner Sicht keine Wahl blieb. Von der Gesellschaft werde zurecht angesichts der in jüngster Zeit bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in Schulen und im kirchlichen Umfeld auch in anderen Bereichen wie dem Sport eine größtmögliche Transparenz verlangt.

„Wir waren völlig überrascht von dem Hinweis, dass der VTB seinen ehemaligen Trainer wieder stark in seine Strukturen eingebunden hat“, sagt Albrecht. Der vorbestrafte Kampfsportler wird derzeit auf der Homepage des Vereins als Manager, Budosportlehrer und Mitglied des Monats präsentiert. Der Südmoslesfehner Ortsverein hatte erst vor wenigen Wochen Flyer verteilt, in denen erneut für das Training der Oldenburger Budosportler geworben wurde.

Der Vorsitzende des VTB verteidigt die Entscheidung der Budosportler, den vorbestraften Trainer wieder voll im Verein zu integrieren: „Es bestehen fachlich keine Zweifel an seiner Kompetenz. Wir setzten ihn als Trainer außerdem ausschließlich im Erwachsenenbereich ein“, so Hartmann. Diese Lösung sei in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Betreffenden vereinbart worden. Maßgeblich bleibe es für den Verein, dass das Gericht kein Berufsverbot gegen den Trainer verhängt habe. Hartmann erwartet nicht, dass weitere Vereine ihre Zusammenarbeit mit dem VTB beenden werden: „Jeder Mensch verdient eine zweite Chance, Isolation ist keine Lösung.“

Nach Angaben des VTB-Vorsitzenden hatte der Budosportverein nach dem Missbrauchsfall etwa 300 Mitglieder verloren. Mittlerweile sei mit knapp 1300 Sportlern der alte Stand wieder annähernd erreicht.